Der Grüne Minderheitenbegriff
Unser Minderheitenbegriff bezieht sich sowohl auf alte (autochthone) als auch auf neue Minderheiten (Migrationsminderheiten, Zuwanderer, etc), da wir davon ausgehen, dass die Probleme sehr ähnlich sind. Das trifft vor allem auf ethnisch bedingte Probleme (muttersprachlicher Unterricht, Bewahrung der Identität, Multikulturalität, Diskriminierung, etc.) zu. 'Neue' Minderheiten haben aber zusätzlich zu diesen Problemen noch viele andere Schwierigkeiten in unserer Gesellschaft, die vor allem im sozialen und politischen Bereich zu suchen sind.
Minderheitenfragen sind letztendlich Fragen des Zusammenlebens und der Kultur. Die kulturelle Identität Österreichs ist das Ergebnis der jahrhundertelangen Kommunikation zwischen den zahlreichen Völkern des Donauraumes. Die moderne österreichische Nation ist ihrem kulturellen und geistigen Bild nach eine multiethnische Nation. Die Abgrenzung und Ausgrenzung der alten und neuen Minderheiten durch die Mehrheitsbevölkerung, aber auch innerhalb der Minderheitengruppen, untergräbt damit die österreichische kulturelle Identität als Ganzes.
Minderheitenpolitik ist Demokratiepolitik
Minderheitenfragen sind Grundfragen der Demokratie. Minderheiten an den sozialen und rechtlichen Rand zu drängen, sie auszugrenzen und zu stigmatisieren bedeutet einen ständigen Druck auf die Minderheitenangehörigen, ihre eigene Identität aufzugeben und zu verleugnen. Eine alternative Minderheitenpolitik richtet sich gegen eine ethnische Polarisierung und geht von einer gemeinsamen Verantwortung von Minderheiten und Mehrheiten aus. Die Diskriminierung von Minderheiten setzt deren Stigmatisierung und Absonderung entlang ethnischer Trennlinien voraus. Folgen dieser Segregation von Minderheiten, die auch von der Minderheit selbst als Reaktion auf die Ausgrenzung betrieben werden kann, sind eine Entsolidarisierung der Gesellschaft und ermöglichen es minderheitenfeindlichen Kräften, zu Mitteln der physischen Gewalt gegen Minderheitenangehörige zu greifen.
Für ein respektvolles und gerechtes Miteinander
Echten Schutz kann hier nur die Gesellschaft als Ganzes bieten, indem sie die Minderheiten in die Mitte unserer Gesellschaft holt. Es geht nicht darum, Minderheiten zu tolerieren, es geht darum, den Angreifern keine Chance zu geben, indem wir klar machen, dass die Minderheiten ein Teil von uns, ein Teil von Österreich sind. Es gilt, eine neue Kultur des Zusammenlebens von Minderheiten und Mehrheiten zu finden und den Weg abseits von Wir und Ihr, von Minderheit und Mehrheit, von Stark und Schwach zu suchen. Es gilt, Menschen, die aufgrund eines Merkmales, für das sie nichts können oder auf das sie ein Recht haben, trotz, oder gerade wegen dieser Merkmale als normale Menschen zu sehen.
Echte GRÜNE Minderheitenpolitik ist daher nur denkbar als Überwindung nationalistischer Denkmuster und vorstellbar als Politik und Kultur im Sinne interethnischer, interkultureller Beziehungen. In einer solidarischen Gesellschaft bedarf es einer neuen Kultur des Zusammenlebens von Minderheiten und Mehrheiten unter gemeinsamer Verantwortung aller.
