Brigitta und Thomas Busch:
Von Menschen, Orten und Sprachen. Multilingual leben in Österreich.
Herausgegeben von der Bildungswerkstatt Minderheiten.
Drava 2008

Buchpräsentation und Diskussion
18. März 2009, Bregenz, Landesbibliothek


In der barocken Kuppelhalle der Vorarlberger Landesbibliothek fanden sich rund 30 Personen ein, um sich mit Fragen der Mehrsprachigkeit in Österreich zu beschäftigen. Sie wurden von Mario Lechner von den Vorarlberger Grünen und von Stefan Pauer, dem Obmann der GBW Minderheiten begrüßt.

Ausgangspunkt der Diskussion war das Projekt „Vielsprachiges Österreich“ der GBW Minderheiten, das 2006 begonnen wurde und mit Erscheinen des Buches „Von Menschen, Orten und Sprachen. Multilingual leben in Österreich“ von Brigitta und Thomas Busch eine Höhepunkt und vorläufigen Abschluss fand.

Nach einer kurzen Einführung in das Projekt, dessen Hintergründe und den politischen Ansatz der GBW Minderheiten durch die Geschäftsführerin Nada Zerzer beleuchtet wurde, erzählte der Mitautor Thomas Busch von der Arbeit im Forschungsprojekt, den Recherchen zum Buch und den angewandten Methoden.

Bild: Am Podium der Moderator Simon Burtscher, Nada Zerzer und Thomas Busch

Der Moderator der Veranstaltung Simon Burtscher von okay.zusammen leben regte das Publikum gleich nach der Vorstellung des Themas an, sich an der Diskussion zu beteiligen, Fragen und Statements zu äußern und so das Gespräch mit zu gestalten, was dieses auch mit regem Interesse und einer Menge an mitgebrachtem Fachwissen tat.

Zunächst stand die Frage nach der österreichischen Sprachenpolitik im Raum:

  • Was wären ihre Aufgaben in Österreich?
  • Wer wäre dafür zuständig?
  • Was gibt es und was fehlt?
  • Wer sind die Akteure von Sprachenpolitik?
  • Sind die Akteure die nationale Regierung, die EU-Kommission, oder sind nicht zuletzt wir alle Akteurinnen und Akteure?
  • Was können wir bewirken?

Leider ist in Österreich eine Art Laisser-faire Politik zu beobachten, die nur in jenen Fällen aktiv zu werden scheinst, wo es sich nicht vermeiden lässt. Auf Europäischer Ebene gibt es sehr wohl ein Bewusstsein für die Bedeutung von Sprachenpolitik und einen entsprechend zuständigen Kommissar, doch über gut gemeinte und wohlwollende Bekenntnisse kommt auch die EU-Sprachenpolitik nicht hinaus.
Durchaus auch im Zusammenhang mit Sprachenpolitik ist die angerissene Frage zu sehen, wie Kinder, die im schulpflichtigen Alter nach Österreich kommen, am leichtesten Deutsch lernen können, um voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die auf den ersten Blick einleuchtende Idee, Kinder zuerst in intensive Deutschkurse zu stecken erweist sich als nicht zielführend. Kinder lernen Sprachen, nicht in Kurssettings, sondern in erster Linie durch Praxis, durch Interaktion mit anderen Kindern.
Die Integration in Regelschulklassen ist also grundsätzlich der zu bevorzugende Weg, allerdings stellt sich sehr oft das Problem, dass die Anzahl der Kinder mit schwachen Deutschkenntnissen in der Klasse zu groß ist, um einen raschen Lerneffekt zu ermöglichen. Noch problematischer wird die Situation der Lehrenden, wenn sie es mit Klassen mit vielen verschiedenen Sprachen zu tun haben. Die Sprachverbote, die in manchen Fällen ausgesprochen werden, sind ein Ausdruck der Überforderung und der Hilflosigkeit der Lehrenden in dieser Situation, und müssen als Hilferuf gewertet werden. Lehrende brauchen um mit derartigen Herausforderungen zurecht zu kommen und ihre pädagogischen Aufgaben gut erfüllen zu können, die strukturelle Unterstützung und die sprachenpolitische Wahrnehmung der politischen Entscheidungsträger,

Auch positive Beispiele geglückter mehrsprachiger Pädagogik wurden angesprochen, so das Beispiel der dreisprachigen Schulen in Südtirol, die nach dem Prinzip der Immersion und Rotation den Kindern eine umfassende sprachliche Entwicklung in den drei Sprachen Ladinisch, Deutsch und Italienisch ermöglichen, und der nach dem gleichen Prinzip funktionierende Unterricht an den zweisprachigen Schulen in Kärnten.

Die Veranstaltung wasr eine Kooperationder Grünen Bildungswerkstatt Minderheiten und der Grünen Bildungswerkstatt Vorarlberg.

Bericht: Nada Zerzer, GBW Minderheiten

 
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