AlevitInnen in Österreich
Möglichkeiten der Vertretung in der Diaspora
Podiumsdiskussion:
24. April 2009, Wien, Wappensaal Rathaus
Auf Einladung von Maria Vassilakou begrüßte Erdal Kalayci am 24.4.2009 im Namen der GBW-Minderheiten/Zelena izobraževalna delavnica za manjšine und der Grünen MigrantInnen die rund 150 deutschen und österreichischen Gäste im festlichen Wappensaal des Wiener Rathauses. Der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak und die grüne Landtagsabgeordnete in Hessen Mürvet Öztürk diskutierten mit dem Vertreter der Alevitischen Föderation in Österreich Mehmet Mercan und der stellvertretenden Obfrau die GBW-Minderheiten Hatice Sahin-Ilter.
Minderheitenfragen sind Basis der Demokratie
Hatice Sahin-Ilter bezeichnete den Umgang mit der Minderheitenfrage als Basis der Demokratie und zeichnete in ihrem Statement die gesellschaftliche und politische Stellung der Minderheiten in Österreich im Laufe der Geschichte nach. Sie forderte die rechtliche und soziale Gleichstellung der MigrantInnen und betonte, dass die österreichische Wirtschaft nicht Arbeitskräfte nach Österreich geholt hat, sondern Menschen. Nach den politschen Forderungen einer Grünen Einwanderungspolitik nach menschenrechtlichen und humanitären Grundsätzen, wurde die politische Arbeit der GBW-Minderheiten von Sahin-Ilter dargestellt.
Politische Teilhabe Voraussetzung
Die politische Teilhabe der ursprünglich als ArbeitsmigrantInnen nach Deutschland und Österreich gekommenen AlevitInnen bezeichnete Mürvet Öztürk als Voraussetzung für Integration. Auf die Frage warum alevitscher Religionsunterricht als Chance gesehen werden kann, antwortete Öztürk, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen und religiösen Identität wichtig ist. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der eigenen Religion sei ebenso notwendig wie die Ausbildung der ReligionslehrerInnen auf einem universitären Niveau. .
Situation in Deutschland
Ali Ertan Toprak referierte nach einer geschichtlichen Überblick der AlevitInnen in der Diaspora über die 120 Mitgliedergemeinden in Deutschland und die in 13 EU-Staaten organisierten AlevitInnen. Seit 2004 sind die AlevitInnen eine eigenständige Religionsgemeinschaft nach dem Artikel 7 des Grundgesetzes und bieten Religionsunterricht an. Die politische Integration kann nur durch gegenseitige Anerkennung erfolgen und diese kann nicht nur durch ein religiöses Engagement gefördert werden, sondern muss auch durch ein Politisches erfolgen, folgerte Toprak.
Situation in Österreich
Der Vertreter der Alevitischen Föderation in Österreich Mehmet Mercan ging auf die spezielle Situation in Österreich ein, nannte 7 alevitische Vereine und betonte die wichtige Rolle der Jugendlichen für die Zukunft. Zur Frage der rechtlichen Anerkennung der AlevitInnen als Religionsgemeinschaft berichtete Mercan, dass das Ansuchen dafür vor wenigen Wochen eingebracht worden sei.
Lebhafte und witzige Publikumsfragen
Fragen aus dem Publikum führten nach Informationen zu religiösen Inhalten, zu einer lebhaften Diskussion über die Frage der Unterrichtssprache, der Stellung und Möglichkeiten der alevitschen Frauen und zur Wichtigkeit der universitären Ausbildung von ReligionspädagogInnen. Die Diskussionen wurden nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung am Buffet engagiert weitergeführt.
Die Veranstaltung war eine Kooperation des Grünen Klubs im Rathaus, der GBW-Minderheiten und der Grünen MigrantInnen Wien.
